Mit dem Kanu kentern

Kayaker on bow tips over Pueblo, CO
von „abkfenris“ (originally posted to Flickr as IMG_2478.JPG) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Das Kentern gehört bei hartgesottenen Kanuten zum Sport dazu. Auch Anfänger machen schnell eine Unterwassererfahrung. Doch ist man unterwegs mit einem geschlossenen Kajak dank der berühmten Eskimorolle schnell wieder aus der prekären Lage befreit. Diese kann man aber nur ausführen, wenn man genau weiß, wie sie geht. Anfänger sollten also ruhig mal das Kentern provozieren, um die Eskimorolle zu üben.

Das Kanu ist ein besonderes Boot. Es ist eigentlich nur durch die Vorwärtsbewegung auf dem Wasser stabil.

Besonders die Flachwasserkanus kentern leicht und sind gerade für Anfänger so kippelig, dass sie sehr oft kentern und so die Eskimorolle bald im Schlaf erlernen. Beim Wildwasserpaddeln gehört das Kentern zum guten Ton. Wer nicht klatschnass aus dem Boot steigt, hatte weniger Spaß. Der Nachteil ist, dass das Boot sich auch mit Wasser füllt und am besten an Land entleert wird.

Während Kajaks dafür ausgelegt sind, zu kentern und man auch bei kleinen Segelbooten und Katamaranen damit rechnen muss, dass sie mal kentern und man sie selber wieder aufrichten muss, sind größere Boote und Schiffe nicht mehr zu retten, wenn sie einmal Schieflage bekommen haben. Trotzdem ist das Kentern auch für Kanuten nicht ungefährlich, bei sehr rauen Gewässern droht der Tod durch Ertrinken.

2204574 / Pixabay

Kanus kentern aus verschiedenen Ursachen

Bringt der Anfänger das Kanu aus Unbeholfenheit zum Kentern, so kann der Profi verschiedene Ursachen für ein Kentern nicht ausschließen. Dazu gehören Felsen, auf die man auffährt, Stromschnellen, Wind, hohe Wellen und einfach eine stürmische See.
Geübte Kanuten können ihre Kajaks durch Gewichtsverlagerung gut steuern. Sie verwachsen regelrecht mit ihren Booten und spüren, was das Wasser mit dem Boot macht. Anfänger führen durch eine falsche Gewichtsverlagerung schnell ein Kentern herbei.

Auch falsches Paddeln kann zum Kentern führen, doch haben Anfänger schnell heraus, wie es richtig geht.

Meist kentern Kanus seitlich. Wildwasserkanus aber auch auf Bug oder Heck. Das ist bei einem sehr wilden Wassergang leicht möglich.

Die Eskimorolle

Die Eskimorolle rettet die  Kajakfahrer recht schnell aus dem Wasser. Hierbei wird das Paddel unter Wasser parallel zum umgedrehten Kajak gelegt. Das vordere Paddelblatt liegt flach auf dem Wasser. Dieses wird dann in einem Bogen nach außen geführt. Dies alleine reicht aber nicht, das Boot wieder aufzurichten, es muss eine Gewichtsverlagerung erfolten. Per Hüftstoß wird das Boot wieder nach oben gedreht. Das Paddel hält gegen den Schwung dagegen. Hat man zu viel Schwung landet man in einer ganzen Rolle wieder unter Wasser.

 

Im offenen Kanu kentern – der Wiedereinstieg

Diese Methoden nützen bei einem offenen Kanu leider nicht! Doch in diesen ist man als Paddler auch nicht so gefangen! Man kann aus dem Boot herausschwimmen und dann versuchen das Boot wieder aufzurichten.
Das ist allerdings nicht so einfach. Das Kanu ist ja voll Wasser und einfach ausleeren kann man es nur in Gewässern, in denen man noch stehen kann.

Man nennt den Vorgang beim Kanu Wiedereinstieg. Schwimmt man mit Boot ans Ufer und steigt von dort wieder ein, wird dies nicht mehr als Wiedereinstieg bezeichnet. Nur, wenn er vom Wasser aus erfolgt. Kann man das Ufer erreichen und möchte man diese Vorgehensweise nutzen, so nennt sich dies Anlanden. Das ist aber nicht immer der beste Weg, denn bis zum Ufer kann es neue Gefahrenquellen geben, Strömungen, Steine, Geäst und einfach ein sehr unruhiger Wassergang. Ebenso sind rutschige Stellen, Schlick und steiniges Gelände nicht so gut geeignet, um von dort wieder ins Kanu zu steigen.

Es gibt verschiedene Techniken für den Wiedereinstieg. Kann man ihn ganz ohne Hilfe bewerkstelligen, nennt man dies sogar Selbstrettung. Obwohl ein Kentern nicht grundsätzlich etwas Dramatisches für Paddler ist, man sollte sogar immer damit rechnen und vorbereitet sein.

Der Wiedereinstieg in einzelnen Schritten:

  • Zunächst muss das Wasser wieder aus dem Wasser gebracht werden. Hierfür muss man sich mit den verschiedenen Techniken vertraut machen, sonst schafft man es nicht.
  • Lenzen: Das Kanu wird wieder umgedreht und man versucht per Schöpfer oder Schwamm das Wasser zu entfernen. Dafür ist es hilfreich, eine Lenzpumpe mit sich zu führen.
  • Is das Boot leer, kann man wieder einsteigen. Doch auch das will geübt sein. Leider kann der Vorgang recht lange dauern, besonders, wenn das Wasser kalt ist, ist dies nicht ungefährlich.
  • T-Lenzung: Hier ist ein Helferboot nötig. Das Helferboot muss quer vor der Vorderseite /Spitze des gekenterten Boots stehen. Dies sieht dann aus wie ein ‚T‘. So wird das Boot dann umgedreht, und zwar auf die Seite, der Süllrand (oberster, äußerer Rand) ist nun an einer Seite aus dem Wasser gehoben und es kommt Luft in das Boot.
  • An der Spitze wird das Boot weiter gedreht und es kann weiteres Wasser herausfließen. Ist das Kanu ganz offen, wie bei einem Kanadier, so muss das Boot über das erste Boot gezogen werden.
  • Capistrano Flip zur Selbstrettung: Bei offenen Kanus, unbeladen sind, kommt auch diese Variante zum Einsatz. Der Paddler dreht das Boot kieloben. Schwimmt das Boot so umgekehrt, nennt man diese auch Durchkentern. Beim Drehen und auch beim Schwimmen kieloben, sammelt sich Luft im Bootsraum.
  • Jetzt hebt man den Süllrand leicht an, und wirft das Kanu mit Wucht nach oben, so dass weiter Wasser herausfließen kann. Dieser Stoß sollte schräg erfolgen. Setzt man richtig an, kann das Boot so schon umgedreht werden, denn es dreht sich um die Längsachse.
  • Der Paddler muss mit den Beinen und idealerweise mithilfe einer Schwimmweste sich über Wasser halten.
  • Das Einsteigen vom Wasser aus ist ebenfalls anstrengend und muss geübt werden.
  • Auschütteln: Der Paddler richtet das Boot wieder auf, auch wenn noch Wasser darin ist. Durch Hin- und Herschütteln des Bootes lässt er das Wasser herausschwappen. Dies geht nur bei offenen Kanus, die keine nach innen gerichtete Seitenwände haben.
  • Nasser Wiedereinstieg: Der Paddler schwimmt in das gekenterte Boot, richtet es auf und lässt das Wasser aus dem Boot laufen. Dies geht nur, wenn nicht zu viel Wasser im Boot ist und der Süllrand mit dem Paddler an Bord über Wasser liegt. Der Vorteil bei dieser Variante: Der Einstieg ist weniger anstrengend.
  • Paddelfoats sind hilfreich beim Wiedereinstieg. Es wird am Paddelblatt befestigt. Der Paddeler steigt in das Boot ein und richtet sich wie bei der Eskimorolle wieder auf.

Verschiedene Formen der Eskimorolle

  •  Rolle in Vorlage: Hier hält man den Oberkörper nach vorne. Das Paddel wird, nachdem es parallel zum Boot positioniert wurde, um 90°C zur Längsachse des Bootes bewegt. Nun kann man mit einer Hebelwirkung die Rolle starten, in dem man mit Hüftkick nachhilft. Der Oberkörper und der Kopf bleiben nach vorne geneigt.
  • Bogenschlagrolle: Dies ist die herkömmliche Variante. Der Oberkörper bewegt sich nach hinten. Das Paddel macht einen Bogenschlag von über 180 °C, dadurch hat man viel Schwung um das Boot wieder aufzurichten. Jedoch muss der Oberkörper dann wieder aufgerichtet werden.
  • Rückwärtsrolle: Wenn man rückwärts kentert, ist diese Methode vorteilhaft. Das Paddel zieht man von hinten nach vorne, der Bogenschlag erfolg also in genau umgedrehter Weise. Gleichzeitig richtet man sich auf. Dann vollführt man eine Paddelbewegung nach unten.
  • Steyr Roll: Das Paddel wird in einer 90°C Position an einem Ende aus dem Wasser gehoben. So hat man einen Hebelarm und kann mithilfe der Hüfte das Boot wieder aufrichten. Dafür braucht man Stechpaddel oder Doppelpaddel.
  • Handrolle: Leider hat der Kanute nicht immer noch ein Paddel zur Hand. Er kann sich aber auch mit der bloßen Hand aus dem Wasser retten. Er schwingt erst den Oberkörper zur Seite und macht dann einen Hüftschwung. Die Hände schlagen dabei nach unten und ersetzen ein Paddel. Hierbei gibt es ebenfalls verschiedene Varianten.

 

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